„Da ist das Ding“: OZ-Reporter ist Jungjäger


Jungjäger Mathias Otto zeigt seinen Jagdschein. Im Revier von Sascha Klären beobachtet er die Wildtiere. Foto: Sascha Klären

Nach der Theorie folgt die Praxis. Viele Dinge, die den Schülern der Jagdschule Insel Rügen im Unterricht beigebracht wird, lernen sie nun in der Natur. Nun werden die Wildtiere mit dem Fernglas beobachtet.

Die Halbjahresschüler der Jagdschule Insel Rügen Kasnevitz fieberten sechs Monate darauf hin. Ihr Ziel: den Jagdschein ablegen. Diese große Aufgabe haben sie gemeistert. Die Männer haben in Lüssow die Prüfung bestanden und konnten ihren Jagdschein bei der Behörde beantragen. Einer von ihnen: OZ-Reporter Mathias Otto. Er besuchte diesen Kurs und berichtete in den vergangenen Monaten über den theoretischen und praktischen Unterricht.

Die Prüfung liegt schon mehrere Wochen zurück. Und jetzt ist auch der Jagdschein endlich eingetroffen. Nun kann die Praxis beginnen. Wer sich in einem Jagdrevier aufhält, muss wissen, welche Wildtiere sich dort befinden. Also geht es in den nächsten Wochen mit dem Fernglas ins Revier.

Glück und Pech liegen eng beieinander

Doch zurück zum Abschluss der Jagdschule: Die Aufregung vor jeder einzelnen der drei Prüfungen war bei jedem Jagdschüler deutlich zu spüren. Schießen in vier Disziplinen, danach die schriftliche Prüfung. Den Tag darauf mussten sie ihr Wissen in den fünf Prüfungsfächern mündlich-praktisch unter Beweis stellen. Revierjagdmeister und Lehrer Sascha Klären konnte hier nicht mehr eingreifen.

Alles, was er seinen Schützlingen beigebracht hatte, musste an den beiden Tagen sitzen. Er war Motivator und strahlte auf die Prüflinge Ruhe aus – manchmal musste er auch trösten und Mut machen. „Besonders beim Schießen hängt viel von der Tagesform ab. Und hier liegen manchmal auch Glück und Pech eng beieinander“, sagt er.

Disziplin im zweiten Anlauf geschafft

So haben seine Worte die nötige Motivation für den OZ-Reporter gegeben, in der Disziplin „Laufender Keiler“ zu bestehen. Denn nach einem gescheiterten ersten Versuch klappte dies erst im zweiten Anlauf mit dem letzten Schuss. Für den schriftlichen und mündlichen-praktischen Bereich hing viel davon ab, wie aufmerksam man den Unterricht verfolgt und darüber hinaus gelernt hatte.

Von möglichen 1500 Fragen tauchten 125 in der schriftlichen Prüfung auf. Hier konnten der OZ-Reporter und die anderen Teilnehmer des Kurses zeigen, dass sich das gezielte Lernen auszahlt. Mit einem „Waidmannsheil“ – in dieser Region ist die Schreibweise „Weidmannsheil“ bekannt – entließ der Prüfungsleiter die Prüflinge in den Feierabend.

Regelmäßig ins Revier gehen

Zu einer erfolgreich abgeschlossenen Prüfung gehört auch der sogenannte „Grüne Abend“. In der Jagdschule in Kasnevitz wurde er mit Kesselgulasch und gekühlten Getränken gefeiert. Aber bei allem Spaß gehörten auch die letzten mahnenden Worte von Sascha Klären dazu. Er zitierte das Gedicht des Jagd-Schriftstellers Oskar von Riesenthal (1830-1898). „Das ist des Jägers Ehrenschild, daß er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt, wie sich`s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt“, heißt es etwa in der ersten Strophe.

„Dies ist gleichzusetzen mit dem Ablegen des Führerscheins. Wenn man erfolgreich seine Fahrschule absolviert hat, kann man noch längst nicht Auto fahren. Jeder Jungjäger hat die Kenntnis darüber erreicht, was man darf und was nicht, wie man Wild richtig anspricht und auf welche bedenklichen Merkmale man achten muss, wenn krankes Wild im Revier entdeckt wird“, sagt er. Erst dadurch, dass die Jungjäger regelmäßig ins Revier gehen und somit ihr Wild genau ansprechen können, können sie das Verhalten der Tiere besser einschätzen und somit auch Krankheiten und mögliche Seuchen besser erkennen.

Jeder Jäger besitzt nur ein Ehrenschild

„Denn die Hege des Wildes macht einen Großteil der Arbeit eines Jägers aus. Wir achten auch darauf, dass die Wilddichte nicht zu hoch ist und sich Wildkrankheiten nicht ausbreiten können“, sagt der Revierjagdmeister. Jeder Jäger besitze nur ein einziges Ehrenschild, dass er ein Leben lang mit sich führt. Jeder Einzelne habe dafür zu sorgen, dass dieses Ehrenschild nicht beschmutzt wird.

Und nach dem Kurs ist vor dem Kurs. Jeden Monat reisen neue Jagdschüler für einen dreiwöchigen Kompaktkurs an. Ab Oktober bietet der Revierjagdmeister zudem wieder einen Halbjahreskurs in Zusammenarbeit mit dem Jagdverband Rügen an.

Jagdschüler, lest die Signale!

Jagdliches Brauchtum: Revierjagdmeister Sascha Klären (l.) zeigt Mathias Otto, welche Bruchzeichen damals und zum Teil noch heute verwendet werden. Foto: Jan Steinfurth

Artikel in der Ostsee-Zeitung (24. April 2019)

In der Jagdschule Insel Rügen in Kasnevitz lernt OZ-Reporter Mathias Otto während eines Halbjahreskurses, wie sich Jäger früher verständigt haben – mit sogenannten Bruchzeichen. Heute werden diese meist durch Handys ersetzt.

Welche Bedeutung haben Jagdsignale? Warum ist die Waidmannssprache so wichtig? Warum stecken sich Jäger nach einem erfolgreichen Tag Zweige an die rechte Hutseite? Wer seinen Jagdschein ablegen will, muss sich mit den Sitten und Gebräuchen auskennen. OZ-Reporter Mathias Otto besucht den Halbjahreskurs in der Jagdschule Insel Rügen in Kasnevitz und berichtet in diesem Teil über die jagdliche Praxis.

„Bereiche des jagdlichen Brauchtums gehen zurück auf die handwerklichen Zunftbräuche. Dazu gehören unter anderem Bruchzeichen, also abgebrochene grüne Zweige. Sie dienten damals der gegenseitigen Verständigung“, klärt Revierjagdmeister Sascha Klären auf. Als es noch keine Handys zum Benachrichtigen gab, mussten sich die Jäger anders über den aktuellen Stand informieren.

Sie legten beispielsweise zwei armlange Zweige gekreuzt auf den Boden ab und benachrichtigten somit die anderen Jäger, dass sie an diesem Ort warten sollen. Andere sogenannte Brüche markierten für Schweißhundeführer, in welche Richtung ein verwundetes Wildtier geflüchtet ist. Oder sie warnten Jäger vor Gefahren. Wenn etwa eine Sprosse am Hochsitz angebrochen war, zeigten die Vorgänger diese Stelle mit einem Warnbruch an.

„Dieser ist heute allerdings veraltet. Aufgrund der Unfallverhütungsvorschrift müssen schadhafte Jagdeinrichtungen sofort repariert oder aber auch unbenutzbar gemacht werden“, sagt Sascha Klären. Deshalb hat er, wenn er mit seinem Lada ins Revier fährt, immer Werkzeug im Kofferraum. Ein Brauch, der heute auch noch üblich ist, nennt sich Schützen- oder Erlegerbruch. Ein 15 bis 20 Zentimeter langer Zweig mit Schweiß, also Blut des erlegten Wildtieres, wird vom Jagdherrn an den erfolgreichsten Jäger überreicht. Dieser steckt sich den an die rechte Hutseite. „Mit diesem Bruch bekommen auch die Jagdhunde Anerkennung. Ein Teil vom Schützenbruch wird dem beteiligten Hund in die Halsungsschnalle angesteckt“, so Sascha Klären.

Immer wieder sind auf der Insel Rügen Jagdhornbläser im Einsatz, etwa als im Herbst im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche 1500 Linden bei Sehlen gepflanzt wurden. Der Brauch der Jagdsignale wird aber nicht nur auf Veranstaltungen, sondern auch heute noch bei verschiedenen Jagdarten verwendet.

„Das heißt, Jäger müssen beispielsweise bei Gesellschaftsjagden anhand der Jagdhornsignale erkennen können, ob beispielsweise eine Jagd beginnt, beendet wird oder sich die Schützen sammeln sollen. Allerdings werden heutzutage auch Handys eingesetzt, um Schützen und Treiber während der Jagd zu informieren“, sagt der Revierjagdmeister.

Jäger sollen sich aber nicht nur mit den Signalen auskennen, wenn sie durch das Revier ziehen, sondern auch mit ihrer unmittelbaren Umgebung. Das heißt, dass sie wissen müssen, wie die Bäume, Büsche und Gräser heißen und welche Bedeutung sie für das Wild haben. „Dies kann neben den Fährten und Spuren ein Indiz dafür sein, welches Wildtier sich im Revier aufhält.

Und das Wissen über die Fauna kann entscheidend sein, Wild, das sich auf dem Rückzug befindet, wieder hier anzusiedeln“, sagt Sascha Klären. Etwa die Hege von Niederwild. Dazu gehören unter anderem die Vögel. „Jäger ergreifen viele Maßnahmen und wenden auch finanzielle Mittel auf, damit sich das Niederwild dauerhaft in einem Gebiet wieder ansiedelt. Von diesen Hegemaßnahmen profitiert auch eine Vielzahl von Tierarten, die nicht dem Jagdrecht unterliegen“, so Klären. Er nennt dabei das Beispiel der Feldlerche. Seit knapp zwei Jahrzehnten ist mehr als jede vierte Feldlerche aus dem Brutbestand in Deutschland verschwunden. Diese Vogelart benötigt zum Brüten nicht dauerhaft bewirtschaftete Flächen. „Jäger legen beispielsweise solche Flächen an, um auch solchen Tierarten lebenserhaltende Maßnahmen zu bieten“, sagt er.

Wildkrankheiten

Maul- und Klauenseuche, Tollwut, Schweinepest, Milzbrand: Gehört habe ich schon von diesen Krankheiten. Wir werden darauf vorbereitet, Anzeichen dieser und weiterer Erkrankungen zu erkennen und den Behörden anzuzeigen. Ist etwa Schwarzwild von Trichinen befallen, haben betroffene Tiere einen steifen Gang, Schluckbeschwerden und Ödeme im Gesicht. Das Wildbret ist genussuntauglich. Deshalb muss bei jedem erlegten Wildschwein, aber auch bei Dachs und Nutria, eine Trichinenschau durchgeführt werden. Die Proben werden einem Fachmann, etwa einem Amtstierarzt, vorgelegt. 

Jagdschüler erklimmen Hochsitze

Artikel in der Ostsee-Zeitung (13. März)

In der Jagdschule Insel Rügen in Kasnevitz lernt OZ-Reporter Mathias Otto während eines Halbjahreskurses, welche Funktionen diese Ansitze haben.

Praktischer Unterricht: Jagdschüler Mathias Otto befindet sich in einer geschlossenen Kanzel und befestigt dort die Sitzbank. FOTO: Peter Ferdinand

Nach der Theorie folgt die Praxis. Viele Dinge, die den Schülern der Jagdschule Insel Rügen in Kasnevitz im Unterricht beigebracht wird, lernen sie nun in der Natur hautnah kennen. Gemeinsam wurden Hochsitze ins Jagdrevier gefahren und dort aufgestellt. OZ-Reporter Mathias Otto war dabei und berichtet über den Alltag als Jagdschüler.

Revierjagdmeister Sascha Klären schildert, warum Hochsitze überhaupt eingesetzt und wie die einzelnen Kanzeln gesichert werden müssen, welche Stellen sich besonders gut zum Aufstellen eignen und warum sie sogar mit Teppichen ausgestattet sind. „Dies lässt sich einfach erklären. Teppiche sorgen für einen gewissen Schallschutz. Betritt jemand die Kanzel mit festem Schuhwerk, können durch das Bewegen zu laute Geräusche entstehen, die das Wild mitunter vergrämen kann“, sagt der Fachmann. Besonders beim Beobachten der einzelnen Tierarten – bei Jägern heißt es Ansprechen – kann dies entscheidend sein. „Wer sich, und zwar nicht nur auf den Hochsitzen, zu laut im Jagdrevier bewegt, wird kaum eine Chance haben, Wild zu beobachten“, sagt er. Allein das laute ­Knallen einer Autotür am Rande des Reviers könne die Tiere ver­schrecken.

Es gibt ganz unterschiedliche Erhöhungen, die man auch im Revier von Sascha Klären beobachten kann. Da gibt es etwa offene Kanzeln, die oft bei guten Wetter oder bei Drückjagden zum Einsatz kommen. Der Vorteil hier: Aufgrund ihres geringen Gewichtes können sie relativ schnell im Jagdrevier versetzt werden. Am häufigsten kommt bei Sascha Klären allerdings die geschlossene Kanzel aus Holz mit einem regendichten Dach mit kleinen Fensteröffnungen und einer Tür vor. „Da wir als Jäger hier komplett geschützt vom Wetter sind, können wir auch mehrere Stunden in winterlicher Kälte verbringen“, sagt er. Aufgestellt werden sie unter anderem aus Sicherheitsgründen, weil man von hier einen sicheren Kugelfang hat. Denn wie wir im theore­tischen Teil gelernt haben: Der Kugelfang für das den Wildkörper durchschlagende Geschoss ist stets der sichere Erdboden. Eine geschlossene Kanzel hat aber nicht nur Vorteile: Durch diese Bauweise können Geräusche von außen schlechter wahrgenommen werden, als würde man sich im Freien befinden.

Los ging der Praxis-Tag auf dem Hof der Jagdschule in Kasnevitz. Die Hochsitze und Kanzeln mussten die Männer nicht bauen – dies haben die Schüler vom Vorgängerkurs erledigt. Bei einem Pott Kaffee wurde entschieden: Ein Trupp fährt die jagdlichen Einrichtungen zum Revier nach Lancken-Granitz. Hier befinden sich auf einer Fläche von knapp 90 Hektar bereits fünf Kanzeln, zehn Drückjagdböcke und zwei Erdsitze, berichtet ein Jungjäger aus Greifswald.

Er ist die helfende Hand im Revier und kennt sich hier bestens aus. Besonders freut er sich über eine sogenannte Schlafkanzel, die am Rande eines Feldes aufgestellt wurde. Die ist fast doppelt so groß wie eine herkömmliche Kanzel. „Hier kann ich jetzt bei nächtlichen Einsätzen ein paar Stunden ruhen, bevor ich wieder zurückfahre. Vorher bin ich mitten in der Nacht wieder zurück nach Greifswald gefahren. Das war mitunter anstrengend“, sagt er.

Mit ihm steuerten die anderen Jagdschüler diese Hochsitze und Kanzeln an, die bereits seit einigen Monaten auf einem Feld stehen – mit Blick zum Waldrand. Da nur zwei Personen gleichzeitig in die Kanzel passen, wurde auch hier aufgeteilt. Zwei Männer haben die Teppiche zurechtgeschnitten und mithilfe eines Tackers an den Holzwänden befestigt. Die anderen Arbeitskräfte bauten zwischenzeitlich eine Sitzbank.

Der erste Praxis-Tag ist geschafft. Aber bald geht es wieder raus in die Natur. Als Jäger müssen wir auch wissen, wie wir das Niederwild hegen können. Also für sie Gebiete schaffen, um etwa Besätze von Rebhuhn und Feldhase zu stabilisieren und auch wieder zu erhöhen. Wir begehen dann gemeinsam ein Revier auf der Insel Rügen und entwickeln Ideen, wie Struktur und Lebensraumangebot verbessert werden kann.

Praktischer Unterricht

Praktischer Unterricht: Jagdschüler Mathias Otto befindet sich in einer geschlossenen Kanzel und befestigt dort die Sitzbank. Foto: Peter Ferdinand

Jetzt werden die Jagdschüler aktiv. Wir legen eine Lernpause ein und bekommen einen ersten praktischen Einblick in das Leben eines Jägers. In Zweierteams geht es ins Jagdrevier in die Gemeinde Lancken-Granitz. Hochsitze müssen aufgebaut und ausgestattet werden. Ein Team stellt die Hochsitze aufein Feld auf, die anderen Jagdschüler verkleiden sie mit Teppichen.Dies hat einen speziellen Grund. Jedes Geräusch in der Kanzel kann dafür sorgen, dass ein Jagdtag schnell beendet ist. Denn die Tiere reagieren auf die kleinsten Geräusche. Die Teppiche dienen also als Schallschutz.

Jagd- und Schonzeiten

„Achtung Treibjagd“ – diese Schilder haben in den vergangenen Monaten das Bild auch auf der Insel geprägt. An Straßen, die durch bewaldetes Gebiet führen, wurde immer wieder darauf hingewiesen.

Doch jetzt sind sie verschwunden. Dies hat einen Grund. Wie wir im Unterricht erfahren haben, hängt dies mit den Jagd- und Schonzeiten der Wildarten zusammen. Bis zum 31.Januar durften etwa Rot-, Dam- und Rehwild bejagt werden. Ausnahme: Auf Böcke war die Jagd schon am 15. Oktober beendet.

Aha! Der „Mönch“ ist ein Hirsch!

Artikel in der Ostsee-Zeitung (4. Januar)

Die Jagdschüler lernen sämtliche Bauteile einer Waffe und deren Funktionen kennen. Revierjagdmeister Sascha Klären (r.) zeigt Mathias Otto, wo sich dieseBauteile befinden. Foto: Cindy Klären


Jägersprache, schwere Sprache: In der Jagdschule Insel Rügen in Kasnevitz lernt OZ-Reporter Mathias Otto während eines Halbjahreskurses Wörter kennen, die er sonst ganz anders nutzt.

Wer glaubt, der Jagdschein erledigt sich im Handumdrehen, der täuscht sich. In jeder Unterrichtsstunde tauchen Begriffe auf, von denen man zuvor noch nie gehört hatte. Ein Blick in die Runde im Unterrichtsraum: Ich bin nicht der Einzige, der viele Nachfragen hat. Das Wissen über das Jagdwesen erweitert sich von Stunde zu Stunde. OZ-Reporter Mathias Otto besucht den Halbjahreskurs der Jagdschule Insel Rügen in Kasnevitz und berichtet über den Alltag als Jagdschüler.

Unter einem „Aufgang“ versteht man hier nicht etwa den Bereich im Haus, sondern den Beginn einer Jagdsaison. Ein „Mönch“ ist hier auch nicht ein Mitglied eines geistlichen Männerordens, sondern schlicht ein Hirsch ohne Geweih. Ein „Malbaum“ steht auch nicht auf dem Hof eines Kindergartens. So wird in der Jägersprache ein Baum bezeichnet, an dem sich Wild reibt. Man muss sich erst einmal in die Sprache der Jäger hineindenken, um überhaupt Grundsätzliches verstehen zu können.

Den Jagdschein abzulegen, ist anspruchsvoll. Und wer später einmal Jäger sein möchte, muss wissen, dass zu 70 Prozent die Hege im Vordergrund steht und zu 30 Prozent die eigentliche Jagd. Und wer zur Jagd geht, benutzt Gegenstände, die mit äußerster Vorsicht zu handhaben sind. Hier wird scharf geschossen. Mit 370 Meter pro Sekunde fliegen Projektile durch die Luft. Und damit ist nur das Kleinkaliber gemeint, das auf Raubwild eingesetzt wird. Deshalb ist der Inhalt des Fachgebietes „Waffen- und Munition“ für die Prüfung und das spätere Leben als Jäger wichtig, wird uns gelehrt. „Nicht nur, dass Waffen bei der Jagd das wichtigste Handwerkszeug des Jägers sind – von ihnen geht auch ein großes Gefahrenpotenzial aus. Deshalb muss dieses Thema in der Theorie, später auch in der Praxis, intensiv geübt werden“, sagt Lehrer und Revierjagdmeister Sascha Klären. Denn wie wir aus dem Waffenrecht erfahren haben: Jeder unsachgemäße Umgang mit Waffen kann zum Entzug des Jagdscheins führen.

Die ersten Stunden des theoretischen Unterrichts liegen hinter mir und den anderen Jagdschülern. Waffenkunde, Waffenrecht, Jagdrecht: Sascha Klären taucht mit uns tief ein in die Materie. Der Lehrgang beginnt gleich mit Dingen, die nicht nur elementar für die Prüfung sind, sondern auch für die spätere Jagdausübung. Wer vorher nie mit diesen Begriffen in Berührung gekommen ist, muss im Unterricht besonders aufpassen. Was ist eine Saufeder? Welche Funktionen haben Abzüge? Welche Geschossformen gibt es? Der Lehrer ist geduldig – auch wenn zu ein und demselben Bauteil von den Schülern immer wieder Fragen kommen. Geduldig steht er am Pult und beantwortet sie. Und er fordert das Wissen über dieses Thema auch jede Woche ab.

Und das macht sich gleich zu Beginn des Jahres bemerkbar. Zum intensiven Lernen fehlte bisher die Zeit. Nur wenige Stunden saß ich abends vor den Lehrbüchern und habe die Bauteile der Waffen studiert und mich durch das Jagdgesetz gequält. Durchgefallen, lautet das Ergebnis des ersten Zwischentests. Die Prüfung wird zwar erst in ein paar Wochen abgelegt, aber die freien Wochenenden und mal ein paar Stunden am Abend in der Woche muss ich fürs Lernen jetzt definitiv freihalten, möchte ich sie bestehen. Dann bleibt der Fernseher in dieser Zeit ausgeschaltet.

Auch wenn der theoretische Teil mal trocken wirkt, bald sind die ersten praktischen Übungseinheiten geplant. Ich werde zusammen mit den anderen Jagdschülern einen Hochsitz bauen. Denn auch diese Aufgabe gehört dazu, wenn man Jäger sein möchte. Ebenso begleiten wir erfahrene Jäger bei einer Jagd und lernen somit hautnah, wie sie funktioniert und auf was es ankommt. Im Laufe des Jägerabiturs ist auch der praktische Teil in Form von Schießübungen vorgesehen. „Wir werden zuerst im Schießstand für Luftdruckgewehre in der Jagdschule die richtige Atemtechnik üben. Danach geht es zur weiteren Ausbildung auf den Schießstand“, erklärt der Revierjagdmeister.

Waffen und Munition

Die Jagdschule beginnt mit dem Thema „Waffen und Munition“.

Gerade das Fachgebiet „Waffen- und Munition“ ist für die Prüfung und das spätere Leben als Jäger enorm wichtig. Nicht nur, dass Waffen bei der Jagd das wichtigste Handwerkszeug des Jägers sind – von ihnen geht auch ein großes Gefahrenpotenzial aus. Deshalb muss dieses Thema in der Theorie, später auch in der Praxis intensiv geübt werden. Denn wie wir aus dem Waffenrecht erfahren haben: Jeder unsachgemäße Umgang mit Waffen kann zu einer harten Bestrafung führen.

Waffenkunde, Waffenrecht und Jagdrecht

Die Saufeder ist eine 20 bis 30 Zentimeter lange Klinge am 1,5 bis 2 Meter langen Eschenholzschaft, mit zusätzlicher Lederumwicklung und sogenanntem Knebel.

Es heißt nicht umsonst „Grünes Abitur“. Die ersten Stunden des theoretischen Unterrichts liegen hinter uns. Revierjagdmeister Sascha Klären verlangt uns so einiges ab. Waffenkunde, Waffenrecht, Jagdrecht. Der Lehrgang beginnt gleich mit Dingen, die nicht nur elementar für die Prüfung sind, sondern auch für spätere Jagdausübung. Wer vorher nie mit diesen Begriffen in Berührung gekommen ist, muss im Unterricht besonders aufpassen. Was ist eine Saufeder? Welche Funktionen haben Abzüge? Welche Geschossformen gibt es? Sascha ist geduldig. Auch wenn zu dem ein und demselben Bauteil von den Schülern die gleiche Fragen kommen – geduldig beantwortet er sie. Und er fordert das Wissen über dieses Thema jede Woche ab. Denn ohne intensives Lernen sieht man alt aus in der Prüfung.

Noch 142 Stunden bis zur Jagdprüfung

Artikel in der Ostsee-Zeitung (7. Dezember):


Waffenkunde in Kasnevitz: Revierjagdmeister Sascha Klären (42) erklärt dem Teilnehmer Mathias Otto (36) besondere Bauformen von Patronen.

OZ-Reporter besucht die Jagdschule in Kasnevitz / Er berichtet über den Alltag als Jagdschüler

Ausgestopfte Vögel, Kleintiere, Schädel, Knochen: Wenn man den großen Schulungsraum in der Jagdschule Rügen in Kasnevitz betritt, weiß man sofort, was einem erwartet. Jedes dieser Objekte ist Bestandteil des Unterrichts, der in Mecklenburg-Vorpommern mindestens 142 Stunden beträgt. Hier werden die Jagdschüler im Halbjahreskurs für die Prüfung vorbereitet, zu der eine Schieß- sowie schriftliche und eine mündlich-praktische Prüfung gehören.

Für mich und elf weitere Männer liegen also spannende Monate vor uns. Alle haben sich entschieden, das sogenannte „Grüne Abitur“ auf der Insel Rügen abzulegen. In den nächsten Wochen werde ich regelmäßig über den Alltag als Jagdschüler – von der Anmeldung über den Unterricht und der Praxis bis hin zur Prüfung – berichten.

Jeder hat eine andere Motivation, diesen Kurs zu besuchen. Ich bin neugierig und naturverbunden. Dies sind schon mal zwei elementare Gründe, warum ich mich entschieden habe, das „Grüne Abitur“ abzulegen. Ich möchte den Wald mit all seinen Facetten entdecken und mehr über diesen Lebensraum studieren. Aber es gibt so viele Dinge, die mit der Jagd verbunden sind und die ich unbedingt lernen möchte. Für mich ist die Jagd wichtig, denn Jäger sind verpflichtet, einen gesunden und artenreichen Wildbestand zu erhalten. Das ist einer ihrer wichtigsten Aufgaben. Und darauf freue ich mich. Jäger gehören im Übrigen neben Fischern zu den einzigen ehrenamtlich tätigen Naturschützern, die einerseits eine umfangreiche Ausbildung und zum anderen eine staatliche Prüfung absolvieren müssen.

Der erste Schritt ist getan: Der Vertrag wurde unterschrieben und die Unterlagen für den Unterricht liegen bereit. Erste Stunde: Revierjagdmeister Sascha Klären zählt die Lehrinhalte auf: Waffen und Munition, Waffenrecht, Jagdrecht, Wildkrankheiten, Wildbrethygiene, Hunde, Federwild, Haarwild, Naturschutz, Land und Waldbau sowie die jagdliche Praxis. Es klingt alles sehr kompliziert. Sascha Klären gibt aber Entwarnung. „Jedes einzelne Themengebiet werden wir intensiv behandeln. Viele ungeklärte Fragen erledigen sich auch, wenn wir sie in der Praxis anwenden“, sagt er. „Wir werden zwischendurch immer wieder Tests schreiben, um zu erfahren, wie weit jeder einzelne Teilnehmer im Stoff steht. Sollte es bei dem ein oder anderen noch weiteren Schulungsbedarf geben, gibt es immer noch die Möglichkeit, zu diesem Themenschwerpunkt einen Parallel-Kurs zu besuchen“, sagt Sascha Klären.

Mit einem der schwersten Themenbereiche beginnt er auch seinen Halbjahreskurs. Verschiedene Büchsenpatronen stehen auf seinem Lehrtisch. In den ersten Stunden lernen wir die verschiedenen Kaliber kennen, die für unterschiedliche Jagden benutzt werden sollen. Etwa die Schonzeitpa- tronen „.22 lr“ und „.22 Hornet“ für Raubwild. Oder die „.222 Remington“ für Rehwild. Was sind Schonzeitpatronen, was ein Kugelfang? Was verbirgt sich hinter den Begriffen Flintenlaufgeschosse, Kugelfang, Saufeder, Hirschfänger, Waldläuferdrilling, Blitzschloss oder Doppelzüngelstecher? Wer vorher noch nie etwas mit der Jagd zu tun hatte, muss hier besonders gut aufpassen. „Ich setze voraus, dass sich die Jagdschüler auch nach den Unterrichtseinheiten intensiv mit ihren Lehrbüchern auseinandersetzen. Nur so können sie sich nicht nur bestmöglich auf die Prüfung vorbereiten. Der Einsatz einer Waffe setzt viel Wissen voraus. Einher geht die große Verantwortung, die ein Mensch beim Umgang mit einem Gewehr oder einer Pistole hat“, so Sascha Klären.

Im Laufe des Jägerabiturs ist deshalb auch der praktische Teil in Form von Schießübungen vorgesehen. „Wir werden zuerst auf dem Schießstand mit dem Luftgewehr die Atemtechnik und die Waffenhandhabung üben. Danach geht es zur weiteren Ausbildung auf den Schießstand“, erklärt der Revierjagdmeister.